Schweizer Garten

mai 2022

Schweizer Garten magazin

Himmlisches Erwachen


Wo Fuchs und Hase einander gute Nacht sagen, darf man auch sein eigenes Haupt zur Ruhe betten – um am nächsten Morgen mit herrlichem Rosenduft in der Nase in einem traumhaft schönen Garten zu erwachen.


Text & Fotos: Alexandra Zöbeli

Mitten im Schwarzwald, genauer gesagt in Nordrach, schlängelt sich eine kleine Straße den Hügel hinauf und lässt einen hin und wieder zweifeln, ob man wirklich den richtigen Weg eingeschlagen hat. Bevor man aber an der Funktionstüchtigkeit des Navis zweifelt, gelangt man endlich aus dem Wald hinaus und versteht, was Andrew und Thomas Huber an diesen Ort verschlagen hat. Abseits von Hektik und Stress findet man hier den puren Luxus der Ruhe. Die beiden Männer haben sich mit dem Garten einen Traum erfüllt, den sie gerne mit Gästen teilen.

Während eines Urlaubs im Schwarzwald entdeckten der begeisterte Hobbygärtner Andrew und der Weltenbummler Thomas das Grundstück, auf dem sie später The Moosbach Garden gründeten. Es war Liebe auf den ersten Blick, gesteht Thomas. Doch nach dem Kauf mussten sie sich erst mal in Geduld üben, denn es galt, zunächst den Garten und die Bodenverhältnisse besser kennenzulernen. Sie beobachteten im ersten Jahr die Jahreszeiten, das Wetter und den Verlauf der Sonne.


Englischer Einfluss

Dann konnten die beiden endlich loslegen. Nach und nach entstanden verschiedene Gartenräume wie der Cottage Garden, der stark durch die Ideen der bekannten englischen Gartendesignerin Gertrude Jekyll (1843–1932) geprägt wurde. Dass gerade die englischen Gärten großen Einfluss auf den Garten im Schwarzwald nahmen, ist kein Zufall: Andrew stammt aus der Grafschaft Yorkshire im Norden Englands, und auch Thomas lebte während 12 Jahren in Großbritannien, wo er in verschiedenen Hotels im Management arbeitete. Zum passionierten Hobbygärtner und Pflanzenliebhaber wurde Thomas aber erst durch Andrew. Das Wissen und die Begeisterung der beiden wuchsen durch ihre Besuche zahlreicher Gärten mehr und mehr.


Ein Garten ist niemals fertig

Es ist kein Geheimnis, dass ein Garten niemals fertig ist. So ist es auch Andrews und Thomas’ Plan, jedes Jahr einen neuen Gartenraum zu gestalten. Zurzeit steht die Terrassierung der Obstwiese auf der To-do-Liste. Sie soll in einen Küchen- und Obstgarten mit Gewächshaus verwandelt werden. Aus dem aktuellen Küchengarten wird ein Kräuter- und Schnittblumengarten entstehen. Auch ein Wassergarten steht noch auf der Wunschliste, um Tieren und Pflanzen einen weiteren natürlichen Lebensraum zu bieten. Step by step entwickeln sich auch die natürliche Schwarzwälder Wildblumenwiese und ein Arboretum weiter. Die Ideen gehen den beiden Männern längst nicht aus.


Gemeinsame Arbeitsteilung

Gemeinsames Gärtnern kann zuweilen zu Spannungen in der Partnerschaft führen. Der eine mag es wilder, der andere eher aufgeräumt. Nicht so bei Thomas und Andrew: Sie erledigen die meisten Arbeiten gemeinsam, vor allem die Planung. Die Auswahl der Pflanzen nimmt meist Andrew vor, während sich Thomas bei den baulichen Maßnahmen austoben kann. Inoffizieller Chef der beiden ist allerdings Bramble, der Hofkater. Für die Rasenpflege sind drei Schafe zuständig, was gerade in den steilen und schwer zugänglichen Bereichen ein Segen ist. Als Alarmanlage fungieren fünf Gänse, da die freundliche Luna – eine zweijährige Border-Collie-Dame – in diesem Bereich nicht qualifiziert ist. Sie zeichnet sich lieber als persönliche Gästebetreuerin aus, begrüßt jeden höchstpersönlich und sorgt für gute Unterhaltung.


Englische Rosenträume

David Austins Rosenzüchtungen haben es Andrew und Thomas von Anfang an angetan. „Schönheit, Duft und vor allem die Qualität haben uns überzeugt“, schwärmt Andrew. „Am Anfang haben wir die Rosen nur für uns aus England bestellt. Manchmal konnten wir sie aus Zeitgründen nicht direkt pflanzen, und so blieben sie eine Weile in den Pflanzcontainern auf der Terrasse stehen. Die Gäste wurden dadurch auf sie aufmerksam und wollten sie kaufen.“ Die beiden cleveren Geschäftsmänner erkannten rasch das Bedürfnis und vertreiben die Rosen mittlerweile auf dem Markt und über ihren Online-Shop. Aus Zollgründen liefern sie leider nicht in die Schweiz – allerdings kann man den Kauf auch gleich mit einem Ausflug zum herrlichen Moosbach Garden verbinden.


Lieblingskinder im Rosenbeet

Ja, ja, wir wissen es: Alle Rosen sind ganz zauberhaft, aber einige eben noch zauberhafter. Die Lieblinge der beiden Moosbach-Gärtner sind ‘Gertrude Jekyll’, ‘Olivia Rose Austin’, ‘The Lark Ascending’ und ‘Lady of Shalott’. Damit man lange Freude an den stachligen Damen hat, sollte man sie ausreichend mit Wasser versorgen, insbesondere in den ersten Jahren. Für eine kräftige Blüte muss man ihnen auch was zu futtern geben. Denn bei den Rosen ist es wie mit allem im Leben: Von nichts kommt nichts. Am besten nimmt man die erste Düngung im Frühjahr vor, wenn die Blätter ansetzen, die zweite Ration erhalten sie nach der ersten Rosenblüte. Dann gilt es nur noch den Duft zu genießen und bei mehrfach blühenden Rosen die ersten verwelkten Blüten zu entfernen, um den nächsten Platz zu machen.


Auf gute Nachbarschaft

Zu pinkfarbenen Rosen macht sich ‘Hidcote’-Lavendel oder Salbei ganz reizend. Auch Storchschnabel (Geranium), Wolfsmilch (Euphorbium), Mutterkraut (Tanacetum parthenium) und Frauenmantel (Alchemilla mollis) sind hübsche Nachbarn. Allerdings sollte man gerade bei Letzteren deren Wuchsfreudigkeit gut im Auge behalten, damit sie der Rose nicht allzu sehr auf die Pelle rücken. Auch der Storchschnabel ‘Rozanne’ kann Rosen so einlullen, dass man sie kaum noch zu sehen bekommt und sie sich beleidigt verabschieden. Bei Kletterrosen eignen sich Clematis als attraktive Nachbarinnen.



Wie Gott in Frankreich

Ganz nach dem klassischen französischen Vorbild bieten Thomas und Andrew Chambre d’hôtes mit Aperitif und einem saisonalen Vier-Gang-Menü an. Hierbei kommen Thomas seine Erfahrungen in der Hotellerie sehr gelegen, was sich auch in den hübschen Zimmern widerspiegelt. In der Küche verwenden die Gastgeber nach Möglichkeit Gemüse, Kräuter und Früchte aus dem eigenen Garten oder aus der Region. Am nächsten Morgen können sich die Gäste bei einem reichhaltigen Frühstück stärken. Der Garten, die Natur und die umliegenden Wälder sind zu jeder Jahreszeit reizvoll, daher ist The Moosbach Garden ganzjährig geöffnet. Auch Picknicks oder Rundgänge durch den Garten sind möglich.

📍 Infos: www.moosbach.garden